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Zuordnung und kleine Motorrevision (Antrieb (Motor,Vergaser,Auspuff))

Wolfgang @, Ahrweiler, Tuesday, 07.05.2019, 17:41 (vor 295 Tagen) @ dueti
bearbeitet von Wolfgang, Tuesday, 07.05.2019, 21:49

Kurios.
Sieht so aus als hätte mal jemand einen 1600er Block aufgebohrt oder jemand hat eine falsche Motornummer eingeschlagen. Was wirklich ist siehst Du, wenn Du die Frostschutzstopfen am Motorblock zählst.

[image]

Dann solltest Du den Block mal mit richtigem Werkzeug vermessen.

Ich habe mal aus den Tiefen der Backups der alten FAQ den Teil über die "Kleine Motorrevision" herausgekramt. Bitte:

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Ölverbrauch und Blaue Wolken aus dem Auspuff. Ursachen und Abhilfe.
"Die kleine Motorrevision"

Ölwolken und Ölverbrauch sind leider häufige Übel. Tritt es in geringem Maße auf, kann man noch von einem Schönheitsfehler sprechen, sind die blauen Wolken beim Gaswegnehmen schon sehr dicht und/oder ist der Ölverbrauch merklich, sollte man eine Motorrevision ins Auge fassen.

Die Ursachen für die Blauen Wolken beim Gaswegnehmen:
BMW verwendete Kolbenringe mit relativ geringer Wandpressung. Das bringt ein bisschen zusätzliche Leistung und hält den Verschleiß an den Zylinderwandungen gering. Der Nachteil ist bei hohen Laufleistungen oder bei Motoren, die in kaltem Zustand häufig stark belastet werden, dass die Kolbenringe, insbesondere hier der unterste Ölabstreifring, übermäßig stark verschleißen und beim Gaswegnehmen der starke Unterdruck im Brennraum das Öl an den Kolbenringen vorbei in den Brennraum saugt, wo es spätestens beim wieder Gasgeben verbrennt und in Form der bekannten blauen Wolke hinten austritt.

Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist diese Form der blauen Wolken übrigens NICHT hauptsächlich durch verschlissene Ventilschaftabdichtungen verursacht. Diese spielen eine sehr untergeordnete Rolle und sind eher für permanentes leichtes Bläuen im Leerlauf verantwortlich. Die Abhilfe ist dann übrigens auch nicht, nur die Ventilschaftdichtungen zu ersetzen, sondern meistens ist die Ursache in verschlissenen Ventilführungen zu suchen, die eine Zylinderkopfüberholung erfordern. Neue Schaftdichtungen alleine würden nicht lange halten.

Auch der Ölverbrauch kann trotz erheblicher Wolken relativ gering sein, ebenso wie die Motorleistung unverändert sehr gut sein kann. Wer eine Motorrevision vermeiden möchte, kann beim Gaswegnehmen auskuppeln und so die übelsten Wolken vermeiden. Ein nicht zu dünnes Motoröl hilft zusätzlich (überhaupt sind Leichtlauföle dünner Viskosität wie 0W40 NICHT zu empfehlen). So kann man lange noch fahren, ohne Anstoß zu erregen.

Andersherum kommt auch vor, dass Motoren hohen Ölverbrauch aufweisen, ohne dass es zu starker Rauchentwicklung kommt. Typisch ist dabei ein noch geringer Ölverbrauch bei zurückhaltender Fahrweise und extrem hoher Ölverbrauch bei scharfer Fahrt und langen Vollgasetappen auf der Autobahn. Dann sind entweder die Kompressionsringe verschlissen und die an den Kolben vorbeistreifenden Verbrennungsgase reißen den Ölnebel durch die Ventildeckelentlüftung in das Ansaugrohr, wo die Ölnebel verbrannt werden. Oder die Ringnuten in den Kolben sind in der Laufrichtung des Kolbens ausgeschlagen und das Öl, was sich bei der Abwärtsbewegung im Spalt unter den Kolbenringen sammelt, wird bei der Aufwärtsbewegung nach oben in den Brennraum gepumpt. Im letzteren Fall müssen neue Kolben her, im ersteren nur neue Kolbenringe, aber die richtigen, wie nun beschrieben wird:

Abhilfe für blau rauchende Motoren

Natürlich kann man den sicheren Weg eines Austauschmotors gehen. Wer geschickt ist und über das nötige Werkzeug verfügt, kann aber den Motor auch teilweise zerlegen (und wer sehr geschickt ist baut den Motor nicht einmal aus), wobei je nach Schadensituation und Budget oft auf eine Revision des Zylinderkopfes verzichtet werden kann (also wenn die Ventilführungen noch einigermaßen sind und sonst auch keine Schäden am Kopf zu finden sind). Oft ist das so.

Wie zuvor geschildert, weisen die BMW Motoren üblicherweise kaum Verschleiß an den Zylinderbahnen auf. Man erkennt das daran, dass die Honspuren noch sichtbar sind (diagonal verlaufende "Kratzer" an den Zylinderwänden). Das sieht dann im Idealfall so aus:

[image]

Hier sind die Honspuren noch prima zu sehen (im Bild ein M20 Motor nach 250.000 km!). Die senkrechten Kratzer machen übrigens nichts aus, so lange sie nicht deutlich stärker als im Bild gezeigt sind.

Ein Ausmessen der Blocks auf Maßhaltigkeit und Ovalität mit einem speziellen Innenmikrometer im Bereich von Hundertstel mm ist in jedem Fall zusätzlich empfehlenswert, auch wenn die Honspuren noch gut sichtbar sind. Das sieht dann so aus:

[image]

In diesem Fall taugen die sonst zur Bestimmung des Bohrungsdurchmessers gerne verwendeten Innenmikrometer mit drei Messpunkten NICHTS. Es geht hier nämlich darum, die Ovalität der Bohrung längs zu quer zu messen sowie die Tonnenförmigkeit der Bohrung oben - mitten - unten. Die seitliche Belastung der Kolben über Pleuel und Kurbelwelle ist erheblich, hier ist viel mehr Verschleiß als in Motor-Längsrichtung. Oval ausgewaschene Bohrungen bekommt man auch mit guten Kolbenringen nicht mehr dicht. Ebenso ist ungünstig, wenn die Wandung in der Mitte der Laufbahn deutlich mehr ausgewaschen ist als oben und unten (also tonnenförmig), weil dann die Kolbenringe sich dann bei jedem Kolbenhub einem verändernden Durchmesser anpassen müssen, was problematisch ist.

Sind die Ergebnisse der Messung nicht OK und außerhalb der Toleranzen, dann sucht man sich entweder einen anderen Block oder man muss den Block neu bohren lassen. Dann braucht man natürlich auch Übermaßkolben, wobei man unbedingt zuerst überprüft, in welchen Übermaßen die Kolben für die passende Brennraumform verfügbar sind und dann erst bohrt. Dann haben wir aber keine kleine Motorrevision mehr.

Sind die Ergebnisse der Messung in Ordnung (Ovalität und Tonnenförmigkeit je unter 2/100 mm), und das ist sehr häufig der Fall, dann sollte man die Bohrung noch ein wenig nachhonen, entweder mit einer Honbürste oder - das geht wirklich - mit der Hand und 40er Schmirgelpapier (immer schön schräg die Laufbahn aufrauhen, so dass sich in den Kratzern das Öl dann halten kann. Achtung: keinesfalls materialabtragendes Honen durchführen, der Bohrungsdurchmesser soll ja erhalten bleiben. Wenn man den Block zum Motorenbauer bringt, dann honen die gerne schon mal ein paar Zehntel auf, das können wir nicht brauchen.

Selber gemacht sieht es dann zum Beispiel so aus:

[image]

Wegen des Lichts beim Fotografieren sieht es nicht nach Kreuzschliff aus, ist es aber und muss es auch sein.

Die Kolben selber muss man dann noch auf Fressspuren und axial ausgeschlagene Ringnuten (besonders bei hohem Ölverbrauch unter hoher Last) untersuchen. Sind die Kolben noch gut (was meistens der Fall ist), genügt es, neue Kolbenringe zu besorgen. Aber halt, keinesfalls die für Neumotoren gedachten Kolbenringe bei BMW kaufen, für den Motor mit Laufleistung gibt es spezielle Kolbenringe zB der Firma PC (Perfect Circle) oder Schöttle, die man bei Motoreninstandsetzern oder Clubfreunden (siehe unten) bekommen kann. Da ist der Ölabstreifring dreiteilig und passt sich besonders gut der nicht mehr ganz perfekt runden Zylinderbohrung an.

[image]

Abbildung: 3-teilige Ölabstreifringe von Schöttle

Vor dem Einsetzen der Kolben mit den neuen Ringen kann man wie oben beschrieben mit einer Honbürste oder notfalls mit grobem Schmirgel die Honung der Laufbahn, die ja das Öl an der Oberfläche halten und den ersten Einlaufprozess der Kolbenringe beschleunigen soll, nacharbeiten. Auf Sauberkeit achten! Natürlich können wir Krümel vom Schleifpapier nirgends im Motor später brauchen. Die Pleuellager sollte man in jedem Fall mit erneuern (eigentlich ja immer bei gelaufenen Motoren, wenn man die mal öffnet) und natürlich neue Dichtungen beim Zusammenbau verwenden. Die Kopfschrauben werden weiter verwendet, dabei unbedingt die Sacklöcher der Kopfschrauben-Gewinde von Öl- oder Wasser-Pfützen befreien! Sonst kann beim Anziehen der Kopfschrauben der Block reißen.

Mit dieser "Kleinen Motorrevision" wird in den allermeisten Fällen mit wenig Aufwand ein hervorragendes Ergebnis erreicht. Zylinderkopf, Kurbeltrieb und weitere Komponenten sind ja noch für viele tausend km gut. Und das Blaurauchen ist verschwunden.

Übrigens: der BMW 02 Club veranstaltet hin und wieder ein Motorseminar (siehe Terminkalender)

Bezugsquelle für Kolbenringsätze mit dreiteiligen Ölabstreifringen:
PC ist von DANA übernommen worden, Ringe gab es zuletzt beispielsweise noch bei Werthenbach.de (anrufen, kein Web-Katalog).

Die Ringe von Schöttle (siehe Bild) bekommt man bei Clubfreund Richard Bauer (Richy1602), richard.bauer2 (ät) gmx (punkt) de. Er bietet die Ringe für Clubmitglieder günstig an.

Übrigens sind die Ringe, die BMW später bei den E21/E30 M10 eingesetzt hat, auch mit dreiteiligem Ölabstreifring. Ab da war bei den BMWs das Blaurauchen ab Werk auch verschwunden.

Hinweis zum Abschluss: alles ohne Gewähr, dies sind Erfahrungswerte und die Anwendung beim eigenen Wagen muss jeder selbst verantworten!

Gruß
Wolfgang


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