Autor Thema: Theoretische Frage zum Zündzeitpunkt und Verdichtung  (Gelesen 691 mal)

Offline Michael

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Hallo zusammen!

Einmal an die Motorspezialisten. Ich hoffe, ich kann mich verständlich ausdrücken!?

Wenn ich es richtig geschlussfolgert habe, müsste doch die Flammenfront im Brennraum, nachdem die Zündkerze das Gemisch entzündet hat, immer mit der gleichen Geschwindigkeit im Brennraum voranschreiten?

Das bedeutet ja, dass die Zeit, indem das Gemisch durchgezündet ist eigentlich immer gleich sein sollte.

Wenn ich jetzt den Brennraum durch Erhöhung der Verdichtung wesentlich verkleinere, müsste dann nicht auch eigentlich das Gemisch im Brennraum schneller durchgezündet sein?

Extremes Beispiel hierzu:
Nehme ich einen großen Raum, gefüllt mit brennbarem Gemisch und einen kleinen Würfel auch mit dem Gemisch gefüllt und zünde das Gemisch gleichzeitig bei beiden in einer Ecke an, müsste dann nicht das Gemisch in dem kleinen Würfel schneller durchgezündet sein, da ja die Flammfront immer gleich schnell ist und sie einen kürzeren Weg zurücklegt?

Und wenn das so ist, müsste dann bei einem hochverdichteten Motor der Zündzeitpunkt für die höchste Leistung nicht auch etwas später sein, da ja schneller durchgezündet und der Druck sich schneller aufbaut?

Hoffe jemand kann mir meine Fragestellung beantworten.


Gruß
Micha

Offline Wolfgang

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Re: Theoretische Frage zum Zündzeitpunkt und Verdichtung
« Antwort #1 am: 30 März, 2021, 01:55 »
So wie Du vermutest sehe ich das auch.
Hochverdichtete Schmiedekolbenmotoren mit Halbkugel-Brennraum bekommen auch weniger Frühzündung als seriennahe.
Daneben ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit auch noch von anderen Randbedingungen (fett, mager, Durchmischung) abhängig, ganz so einfach ist das am Ende dann nicht. Aber vom Grundsatz passt es.

Gruß
Wolfgang

Offline M.S.

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Re: Theoretische Frage zum Zündzeitpunkt und Verdichtung
« Antwort #2 am: 30 März, 2021, 10:26 »
Hallo Michael,

zielt deine Frage vielleicht auf ein Motorprojekt?

Halbkugelbrennräume machen oder nicht?

Gruß

Martin

Offline Michael

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Re: Theoretische Frage zum Zündzeitpunkt und Verdichtung
« Antwort #3 am: 30 März, 2021, 11:20 »
Hallo Wolfgang und Martin!

Erstmal vielen Dank für deine Antwort Wolfgang. Die geringe Resonanz zeigt ja doch, dass die Frage nicht ganz so unüberlegt und nicht einfach zu beantworten ist.

Auf deine Frage hin Martin:
Normalerweise kenne ich es so, dass gemachte Motoren mit Halbkugelbrennraum und demnach höherer Verdichtung und Nockenwelle jenseits der 300 Grad alle so bei einem Zündzeitpunkt um 32 Grad ausgeregelt liegen und dort ihre größte Leistung haben.

Nun habe ich einen gemachten Motor mit den üblichen Sachen wie Halbkugelbrennraum große Ventile und Kanäle  und 316er Nockenwelle von Schrick. Nur das der momentan mit 22 Grad Zündung ausgeregelt funktioniert.

Und das bei aller Liebe wirklich nicht schlecht!!
Im Vergleich zu meinem Vorgängermotor mit 174PS geht der kein bisschen schlechter. Eigentlich kann das doch so gar nicht sein und deswegen suche ich eine Erklärung, warum der dennoch so gut läuft? Oder hat jemand eine Erklärung dafür.

Gruß
Micha

Offline Wolfgang

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Re: Theoretische Frage zum Zündzeitpunkt und Verdichtung
« Antwort #4 am: 30 März, 2021, 12:33 »
Micha,

Vergaser oder Einzeldrossel?

Nach meiner Beobachtung brauchen die Einzeldrossel-Motoren auch etwas weniger Frühzündung gegenüber Vergasermotoren.

Gruß
Wolfgang

Offline M.S.

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Re: Theoretische Frage zum Zündzeitpunkt und Verdichtung
« Antwort #5 am: 30 März, 2021, 12:44 »
Hallo Micha,

ich bastel meine Motoren auch selbst, vor allem Käfer Typ1 und auch 2L M10 in verschiedenen Konfigurationen, alle mit Kat und frei programmierbarer Einspritzung. Im 02 und E30...

Ein paar Erfahrungen von unserer Seite:

- je besser der Brennraum und Füllung umso weniger Vorzündung ist nötig.

ob das jetzt ein Kugelbrennraum im 02 ist oder eine schöne Erdnuss im Käfer ist... beide reagieren mit weniger Vorzündung darauf. Mein Käfer (1800i mit 10:1 und 100PS) läuft völlig käferuntypisch mit rund 25 Grad darauf. Mein 318i alias 2.1L mit 11,5:1 Kugel sogar mit 2-3 Grad unterhalb Serie.

Allerdings kann ich sagen: die Halbkugel muss etwas fetter laufen sonst klingelt es sogar. Aber die Leistung ist mit Halbkugel Brennraum höher. Ich habe Eric's 02Tii programmiert, mit den Serien E21 Brennräumen sind sehr hohe Zündwerte nötig, bei meinem E30 sehr  viel weniger. Und der E30 ist sehr viel kräftiger damit.

Egal. Wenn du Leistung suchst, ist der Halbkugel Brennraum richtig. Du musst ihn allerdings etwas fetter abstimmen können und du musst etwas Zündung rücknehmen können. Dann geht das toll.
Ich mach das mit der frei programmierbaren Trijekt T101. Geht aber mit vielen anderen genauso...

Den Unterschied werden wir beim M10B24 sehen, den programmiere ich auch Mitte des Jahres wenn wir ihn einbauen. Ich bin schon gespannt, wie das Teil geht ... und ob die Vorhersage stimmt. Denn der hat einen richtigen Hemi mit 11:1, 95mm Langhuber und eben 2,4L...

Gruß

Martin

Offline Michael

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Re: Theoretische Frage zum Zündzeitpunkt und Verdichtung
« Antwort #6 am: 30 März, 2021, 13:28 »
Hallo Martin!

Die Antwort hilft mir sehr weiter. Das erklärt für mich den doch abweichenden Zündzeitpunkt.

Und meine Erfahrung bezüglich der Gemischabstimmung decken sich mit deinen Aussagen. Ich musste die Hauptdüsen doch ein wenig größer nehmen als sonst üblich, da ich tatsächlich ein Klingeln vernehmen konnte. Motor läuft jetzt bei Lambda 0,86-0,88 und das Klingeln ist weg.

Gruß und danke.

Micha