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BMW 02 Club e.V. - Forum


jneunteufel(R)

Nieder├Âsterreich,
07.09.2018, 10:41
 

Spenglerarbeit - Spachteldicke - in der Praxis (Karosserie (Blech, Glas, Innen- u. Au├čenausstattung))

Hallo Leute,

da mir schon des ├Âfteren perfekt geholfen wurde habe ich nun wieder eine Frage bei meiner Restauration.

Kurz zum Zwischenstand, meiner 2002er ist fast fertig geschwei├čt, Radl├Ąufe, B├Âden, Stege etc sind eingesetzt. Im Moment bin ich noch bei den vielen kleinen Baustellen (schleifen, richten, etc)

Da dies meine erste Restauration ist, bin ich mir etwas unsicher wie "genau" das Blechkleid passen muss, bzw wie viel man mit Spachtel machen kann.
Mir ist nat├╝rlich klar, dass weniger Spachtel besser ist, jedoch frage ich mich im Moment, ob ich die Bleche noch besser richten kann. Vor allem komme ich nicht bei allen Schwei├čn├Ąhten von hinten dran um den Verzug zu richten. (Geschwei├čt wurde Sto├č auf Sto├č und langsam gepunktet)

Wie sieht das bei euch in der Praxis aus? Ich halte meist ein langes Lineal an meine eingesetzten Bleche und richte dann mit Hammer etc nach. Im Moment sieht das bei mir so aus:

[image]

[image]

Im n├Ąchsten Bild sieht man, dass auch original an der Seitenwand knapp 1mm Spachtel+Lack aufgetragen ist:
[image]

Das w├╝rde ich noch zu richten versuchen:

[image]



Also was ist eure Meinung dazu? Wie macht ihr das, wann lasst ihrs gut sein?

Vielen Dank
Johannes

E46 f├╝r den Alltag

E10 f├╝r den Sonntag

bmwonkel(R)

E-Mail

Oer-Erkenschwick,
07.09.2018, 12:02

@ jneunteufel
 

Spenglerarbeit - Spachteldicke - in der Praxis

Hallo Johannes,
ich finde das das schon sehr ordentlich ausschaut. Da habe ich schon ganz andere Sachen gesehen.
Weiter so;-)
Gru├č

Gru├č Holger

Nichtschwimmer(R)

07.09.2018, 23:48

@ bmwonkel
 

Spenglerarbeit - Spachteldicke - in der Praxis

Hallo Johannes,

du hast es ja schon gesagt, je weniger Spachtel um so besser. Du musst bedenken, dass die endg├╝ltige Schichtdicke gr├Â├čer sein wird, als du das jetzt gemessen hast, da auch auf die H├╝gel Spachtel / F├╝ller draufkommt. Ich mache es so, dass ich das Blech so weit bearbeite bis ich es wirklich nicht mehr besser hinbekomme und Schluss ist. Bei den Schwei├čn├Ąhten sind die M├Âglichkeiten begrenzt, aber daneben kannst du noch was rausholen. Die Fl├Ąche nicht nur mit dem Lineal (vertikal und horizontal), sondern auch mit der flachen Hand auf Unebenheiten untersuchen.

Die Schwei├čn├Ąhte w├╝rde ich auch noch bearbeiten, z.B. mit einer Schrubbscheibe senkrecht draufgehalten. Was du da noch runterholen kannst, muss daneben nicht durch Spachtel aufgef├╝llt werden.

Auf diese Unebenheiten und Schwei├čn├Ąhte w├╝rde ich nicht sofort Polyesterspachtel draufknallen, sondern verzinnen. Damit kann man sehr sch├Ân glatte Fl├Ąchen herstellen, die hochwertig sind. Wenn du nicht zinnen willst, gibt es noch die Alternative von Zinnersatz oder Kaltzinn. Die basieren auf Epoxidharz und vertragen dickere Schichten als herk├Âmmlicher Polyesterspachtel. Ich pers├Ânlich finde Mipa Kaltzinn ganz gut. Danach sollte man eigentlich nur noch Feinspachteln m├╝ssen.

Bei allem Augenmerk auf die Fl├Ąchen, nicht die Kanten und Spaltma├če vergessen. Die m├╝ssen stimmen bevor verputzt wird.

Viel Erfolg Udo

jneunteufel(R)

Nieder├Âsterreich,
08.09.2018, 13:31

@ Nichtschwimmer
 

Spenglerarbeit - Spachteldicke - in der Praxis

Vielen Dank f├╝r die informativen Antworten!

Vor allem der Bericht von Eric sieht nach extrem professioneller Arbeit aus. Darf ich fragen worauf sich die ungef├Ąhren Kosten f├╝r den Beulendoktor (in meinen Augen K├╝nstler) belaufen?

Das problem bei manchen N├Ąhten ist es, dass ich nicht ├╝berall von der R├╝ckseite hinkomme. Zu der Anmerkung mit der Schruppscheibe von udo m├Âchte ich noch sagen, dass die Naht ja jetzt schon tiefer als der Rest ist, weil sie mir beim schwei├čen immer leicht einf├Ąllt (wahrscheinlich normal oder?)

Lochpunktschwei├čungen habe ich aus Korrosionsgr├╝nden absichtlich vermieden, w├Ąre aber bez├╝glich Verzug teilweise bessr gewesen. Die Anmerkung von Eric mit den verzinnten Lochpunktschwei├čungen hat mich sehr verwundert, da ich vor l├Ąngerer Zeit schon mal gelesen hatte das dies unvorteilhaft sei, siehe:

[image]

Soll jetzt keine Anschuldigung in keine Richtung sein, ich frag nur weil ich mit Verzinnen keine Erfahrung hab und darum daran zweifle ob das die richtige Technik f├╝r mich is.


Vielen Dank, sehr interessant zu sehen wie das andere machen.
Johannes

E46 f├╝r den Alltag

E10 f├╝r den Sonntag

Nichtschwimmer(R)

08.09.2018, 18:52

@ jneunteufel
 

Spenglerarbeit - Spachteldicke - in der Praxis

Hallo Johannes,

was das steht ist richtig. Es ist unvermeidlich, dass die Paste in ├ťberlappungen l├Ąuft und dort extrem korrosiv wirkt. Es gibt zwar auch s├Ąurefreie Pasten, die sich aber nicht so gut verarbeiten lassen und nach meinen Erfahrungen auch noch korrosiv ist. Also auf keinen Fall ├ťberlappungen oder Stellen, die man nicht neutralisieren kann, verzinnen.

Der Nachteil vom Verzinnen ist der Aufwand und m├Âglicherweise der W├Ąrmeeintrag. Gesundheitssch├Ądlich ist es dann, wenn man den Zinn nicht mit dem Hobel von Hand schleift, sondern mit der Schleifmaschine. Dann entsteht giftiger Staub, der sich ├╝berall reinsetzt. Karosseriezinn besteht zu ca. 75% aus Blei. Wenn man Fehler macht, baut man sich einen Rostherd unter dem Zinn ein oder hat punktuell keine Haftung. Mit der ├ťbung wird man aber immer besser. Ich habe schon 60 Jahre alte Autos restauriert, bei denen der werkseitig aufgebrachte Zinn noch makellos war. Ob das ein Spachtel schafft?.

Mit den EP- bzw. Kaltzinnprodukten habe ich ganz gute Erfahrungen gemacht (Ausnahme Teroson). Die Schleifbarkeit finde ich nicht schlecht. Es l├Ą├čt sich auch mit dem Hobel bearbeiten, wodurch nicht so viel Sauerei in der Werkstatt entsteht.

Der Nachteil gegen├╝ber Polyester ist m.E. die lange Aush├Ąrtezeit (je nach Temperatur und Produkt mehrere Stunden bis zu einem Tag) und die h├Âheren Kosten. Deshalb ist es f├╝r Lackierer unwirtschaftlich. Als gr├Â├čten Nachteil gegen├╝ber Zinn sehe ich wenn jemand mit dem Schichtdickenmesser kommt und den dicken Spachtelauftrag bem├Ąngelt. Zinn hat hingegen den Nimbus der guten, alten Handwerkskunst.

Ich verwende sowohl Zinn als auch EP-Kaltzinn auch in Kombination. Dickere Schichten und Kanten eher Zinn. Der Rest insbesondere ├ťberlappungen EP-Kaltzinn. Wenn beim Verzinnen Unebenheiten ├╝brigbleiben ist es manchmal g├╝nstiger diese mit EP-Kaltzinn zu egalisieren, als noch mal Nachzuzinnen. Polyesterspachtel (auch mit Glasfaser oder Alu) verwende ich nicht, dass darf der Lackierer machen.

Wenn du Zweifel hast, ob Verzinnen das Richtige ist, probier es an einem St├╝ck Blech aus. Tutorials im Internet gibt┬┤s genug. Vielleicht macht┬┤s ja Laune. Wenn nicht, spricht aus meiner Sicht nichts gegen EP-Kaltzinn.

Udo

Eric65(R)

E-Mail

Dingolfing,
10.09.2018, 10:22

@ Nichtschwimmer
 

Spenglerarbeit - Spachteldicke - in der Praxis

Hallo Johannes,

das Thema "Beulendoktor" und die daraus resolutierenden Kosten sind sehr unterschiedlich. Meist sind das Spezialisten, die sich auf kleine Parkdellen und Hagelsch├Ąden spezialisiert haben, es gibt aber auch wahre Blechvirtuosen darunter.

Ich hatte bei Vera das Gl├╝ck, in der N├Ąhe des gro├čen BMW Automobilwerkes in Dingolfing zu sein, hier sind ehemalige Beulendr├╝cker der Finishlinie vom Werk zu finden. Ein Solcher hat auch Vera begutachtet und gerichtet.
Insgesamt waren die Kosten hief├╝r ca. 800 Euro, aber nur deshalb so hoch, weil sich der Beulendoktor einen Unfallschaden der linken hinteren Seitenwand angesehen hat und nachdem er zusagen konnte diesen ungeschehen zu machen auch gleich diesen beseitigt hat. Dann erst kam der Karosseriebauer zum Zuge und hat gro├čfl├Ąchig das faule Blech rausgetrennt.

Nach den Schwei├č- u. Richtarbeiten war der Beulendoktor nochmals an der fertigen Rohkarosse zu Werke und hat alle Bleche gerichtet, auch die neuen T├╝ren, neuen Kotfl├╝gel und vor allen Dingen die total wellige neue rechte hintere Seitenwand. Damit war der noch notwendige Spachtelauftrag am geringsten.

Hier mal ein Bild der rechten Seitenwand nach dem Spachtelauftrag und vor dem Schleifen, das meiste davon konnte wieder runtergeschliffen werden.

[image]


Zum Thema Verzinnen hat Udo schon alles gesagt, da gibt es nur noch eine Kleinigkeit zu erg├Ąnzen. Ab Werk war beim 02er sehr viel gezinnt, an Vera hat das Werk sogar Beulen im Dach und an der C-S├Ąule zugezinnt. Generell verzinnt ist die ber├╝chtigte Sto├čstelle am Kotfl├╝gel H├Âhe Blinker zur Frontmaske.

Das Werk war Aufgrund der Konstruktion der Bleche nie gezwungen ├╝berlappende Bleche an der Sto├čstelle zu verzinnen, da sich im Sichtbereich keine befinden. Ab Werk sind solche Stellen gel├Âtet und dann verzinnt, folglich gibt es ab Werk keine Vorgabe das zu tun und auch keine industrielle Methode.

Es gibt aber die Vorgabe des T├ťV, dass wenn Bleche in die tragende Karrosseriestruktur eingesetzt werden, (unfall- o. korrosionsbedingt) dies nur durch ├╝berlappende Punkt- o. Lochschwei├čung zu erfolgen hat, durchgehendes stumpfes Einschwei├čen ist hier nicht zul├Ąssig! Warum ist eine andere Frage, auf jeden Fall ist so eine durchgehende Schwei├čnaht nicht so belastbar wie Lochschwei├čung.

Geschieht dies im Sichtbereich, kann diese Lochschwei├čnaht mit einem speziellen Verfahren f├╝r die Reparaturl├Âsung, zugezinnt werden. Es kommt hier ein spezielles, s├Ąurefreies, bleihaltiges Flussmittel zum Einsatz, das keine verdeckte Korrossion in der Blechdoppelung ausl├Âst. Dies ist auch bei Vera zum Einsatz gekommen. Wer das nicht anwendet oder anwenden kann, sollte in der Tat die Finger davon lassen und die Lochschwei├čnaht lieber zuspachten, ... dass da sp├Ąter Risse im Lack auftreten ist nat├╝rlich klar!

Es gibt auf YouTube ein paar sch├Âne Videos, wie das geschieht, auch das Thema mit dem Hobeln wird sehr genau erkl├Ąrt und warum man das nicht schleifen darf, hat Udo schon gesagt.

Gru├č Eric

Eric65(R)

E-Mail

Dingolfing,
10.09.2018, 11:25

@ Eric65
 

Spenglerarbeit - Spachteldicke - in der Praxis

... kleiner Nachtrag:

Das Zuzinnen von ├╝berlappenden Schwei├čn├Ąhten ist eher in Vergessenheit geraten wegen der Korrosionsproblematik. Mein Karrosseriebauer hat mich expliziet darauf angesprochen, als wir auf das Einschwei├čen des Reparaturbleches linke Seitenwand zum Schweller kamen.
Urspr├╝nglich war auch mein Gedanke, dies stumpf zu schwei├čen, der Karrosseriebauer sagte mir aber, er mache das nicht, da nicht zul├Ąssig und auch der Festigkeit der Karosse sehr abtr├Ąglich, ... falls Vera doch mal ein Rennfahrzeug werden sollte. Der Karrosseriebauer baut auch Karrossen f├╝r Rennfahrzeuge auf und f├Ąhrt auch selbst.

Das Thema mit der Korrossion in der Blechdoppelung wurde auch besprochen, ob nun Spachteln, Kaltzinn oder richtig zuzinnen angesagt ist. Da mein K. auch sehr viel mit Porsche 356 macht, hat er auch die n├Âtige Erfahrung dies richtig zu machen und zwar mit Zinn. Wer die 356er kennt, weis das die eine nahtlose Au├čenhaut besitzen und auch hier sehr viele Doppelungen zugezinnt werden.

[image]


Gru├č Eric

Eric65(R)

E-Mail

Dingolfing,
07.09.2018, 20:10

@ jneunteufel
 

Spenglerarbeit - Spachteldicke - in der Praxis

Hallo Johannes,

bei meiner Vera wurden auch quadratmeterweise neue Bleche eingeschwei├čt, linke hintere Seitenwand habe ich selbst mehrere Teilst├╝cke des Radlaufes und die Endspitzen eingeschwei├čt. Auf den Rest gehe ich mal nicht n├Ąher ein, dich interessieren ja nur Blechpartieen der Au├čenhaut.

Nach dem exakten stumpfen Einschwei├čen und Verschleifen der Blechst├╝cke wurde die Schwei├čnaht mit dem Richthammer gegl├Ąttet, dann ist ├╝ber diese Fl├Ąchen ein "Beulendoktor" , Karrosseriefeinblechner gegangen und hat die Fl├Ąchen gerichtet, meines Wissens nach auf 0,1 mm genau. (Ja, der kann das!)
Dann wurden die Fl├Ąchen fein gestrahlt und die Schwei├čnaht verzinnt. Der Karrosseriebauer ging dann mit dem Blechhobel dar├╝ber und hat die Verzinnung absolut plan gehobelt.
Durch das Zinnen werden auch evtl. Lunker und Einschl├╝sse der Naht gef├╝llt und gegl├Ąttet, die nach dem feinstrahlen gut sichtbar werden. Auch schlie├čt das Zinn ein "Spannungsgef├Ąlle" zwischen den einzelnen Blechen, sie werden homogen und k├Ânnen nicht mehr auf offener Fl├Ąche zu rosten beginnen. Das geschieht sehr gerne, wenn man sich das Strahlen der Naht spart, da sind immer noch Schlackereste in der Naht, da kommt dann der Fl├Ąchenrost wieder und l├Ąst den dick aufgetragenen Spachtel abplatzen.

Gr├Â├čere und l├Ąngere Schwei├čn├Ąhte auf offenen Fl├Ąchen (z.b. Schwelleransatz an dem hinteren Seitenteil) nicht mit stumpfer Naht einschwei├čen, ist erstens nicht T├ťV-zul├Ąssig und auch nicht haltbar. Das Blech verzieht sich durch die W├Ąrmeeinbringung hoffnungslos, das wird nie wieder glatt. (... und wenn glatt dann mit mm dick Spachtel drauf.
Hier mit Blechsicke und Lochschwei├čung arbeiten, Naht einfach zuzinnen und glatt hobeln.

...da sind mehrere Blechst├╝cke im Radlauf eingesetzt, die Endspitze neu, das Schwellerblech neu bis kurz unter die untere, feine Charakterlinie. Feinblechner war dran, vor dem Strahlen;

[image]

... so sieht das dann nach dem Strahlen aus;

[image]

... so nach dem bohren der Befestigungsl├Âcher und grundieren mit EP-Grundierung:

[image]

... und so nach dem Lackieren:

[image]

... dauerhaft beulen- u. wellenfrei, rostfrei sowieso.

Gru├č Eric

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